Dienstag, 5. Mai 2015

Wegwerfartikel Hund?

Wir wollen einen Hund! Ein Bordercollie, oder einen Aussi. Die sehen schön aus! Arbeiten muss der Hund bei uns nicht! - Er soll es gut haben, mit den Kindern spielen. Wir haben einen großen Garten und können täglich nach der Schule / Arbeit mit ihm spazieren gehen. Nee, eine Hundeschule brauchen wir nicht, meine Oma hatte ja schon einen Hund und unsere Nachbarn haben auch einen...

So oder so ähnlich kann man es in vielen Foren lesen oder hört es immer wieder.  Die Hunderasse spielt dabei keine Rolle.
Dass es sich bei einem Hund um ein soziales, intelligentes Lebewesen mit Bedürfnissen handelt wird meist vergessen.
Also wird ein Welpe angeschafft, oft ohne sich über die Rasse informiert zu haben. In dem Hundebuch in das man mal geschaut hat stand auch Familienhund... Faszinierenderweise steht es bei fast jeder Rasse in vielen Büchern.
Der kleine Hund kommt ins Haus und eine große Willkommens-Party steigt, jeder der Freunde und aus der Familie will den Kleinen ja kennenlernen - Reizüberflutungen für den Welpen. Man meint es nur gut mit dem kleinen Liebling! Die große Freiheit im ganzen Haus, viel Spielzeug und die teuersten Leckerchen für den Welpen.
Im besten Falle wird noch eine Welpengruppe besucht, aber nicht damit der Kleine was lernt, nein, er soll Freunde finden und mit anderen Welpen toben. Die Welpengruppe soll eine große Wiese haben und wenn es noch Kaffee und Kuchen gibt in der Zeit wo die kleinen Spielen ist alles super!
Zu Hause werden die abenteuerlichsten Erziehungsmethoden ausprobiert, meist eine Mischung aus einem Laissez-faire Erziehungsstil begleitet von stark autoritären Einschlägen, mit viel Brüllerei und sogar Gewaltbereitschaft aus Überforderung - im Web findet man die haarsträubendsten Empfehlungen.

Gut gemeint und gut gemacht sind leider zweierlei! Spätestens wenn der Kleine dann 6 bis 8 Monate alt ist stehen die ersten echten Probleme an. Er zerrt an der Leine, oder pöbelt sogar schon herum. Der Kleine hat gelernt, dass er der Nabel der Welt ist und als solcher auch viele Entscheidungen zu treffen hat. Im Idealfall wird sich spätestens dann professionelle Hilfe geholt.
Aber professionelle Hilfe kostet Geld, viel Zeit und ganz viel Arbeit. Es freut mich, wenn Menschen sich dem hausgemachten Problem stellen und die Verantwortung übernehmen. Andere empfinden das als ganz schön lästig....  Also muss der Hund wieder weg! Die Frage: " können wir den gleich hier lassen? Der Hund ist ja selbst schuld, wir haben alles für ihn getan!" kommt auch vor.
Das Netz und die Zeitungen sind voll mit Hunden unter einem Jahr, welche leider alle wegen Allergie, Trennung oder anderer netten Geschichten dringend vermittelt werden müssen. Besonders dreist ist es dann, wenn ein Hund welcher den Gebrauch seiner Zähne schon gelernt hat, hemmungslos an Leute mit kleinen Kindern verkauft wird.

Schade!
Was wird aus diesen vielen Hunden, welche zum Teil schwere Verhaltensauffälligkeiten aufzeigen.
Ich persönlich kann immer nur einem solchen Hund ein neue Zuhause bieten.
Wer ist für diese armen Tiere verantwortlich? Der Hund hat nichts falsch gemacht!

Für mich ist ein Hund ein sozialer Partner, welcher eine liebevolle, konsequente, souveräne, für ihn logisch nachvollziehbare Erziehung verdient. Eine Erziehung in der Probleme sofort "besprochen" werden und für den Hund sinnvolle Alternativen aufgezeigt werden. Der Aufbau einer festen Beziehung und die Erziehung beginnt an dem Tag, an dem der Hund bei mir einzieht. Was ich nicht möchte erlaube ich vom ersten Tag an nicht. Was ich ihm heute erlaube darf er sein Leben lang. Er würde nicht verstehen, warum er zum Beispiel Sonntags in die Küche darf und den Rest der Woche nicht.
Ich trage die Verantwortung für das Tier welches ich mir anschaffe und das bis zu seinem letzten Tag!

Hundetrainer / Schulen bieten Beratung vor der Anschaffung an und begleiten die Erziehung in Theorie und Praxis, was wesentlich einfach und preiswerter ist, als die Therapie von Verhaltensauffälligkeiten.


Petra Botte 
Creahof, Zentrum für Hunde


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